3. Brandenburger Kongress der Jugendarbeit
„Auftrag Jugendarbeit: politisch!? – integrativ!? – demokratisch!?“

 

Der Kongress gliedert sich in vier Themenbereiche, in denen Methoden, Theorien, gute Praxisbeispiele sowie ein "Blick über den Gartenzaun" präsentiert werden:


Themenblock 1: Gesellschaft

Eine demokratische Gesellschaft wird geprägt durch engagierte Menschen, Gruppen und Institutionen, die gemeinschaftliche Interessen wahrnehmen und vertreten. Kernaufgabe der Jugendarbeit ist es, junge Menschen zur Beobachtung gesamtgesellschaftlicher Prozesse und aktiven Mitgestaltung zu ermuntern und zu befähigen. Trotz der vielfältigen Möglichkeiten, Jugendarbeit als wirkungsvolles Instrument für Partizipation zu implementieren, als gelungene Alternative zur schulischen Bildung jungen Menschen zu ermöglichen oder als Empowermentansatz interessenschwacher Zielgruppen zu verwirklichen, scheinen pädagogische Konzepte hinsichtlich ihrer Wirkung kommunalen Raum an Selbstbewusstsein einzubüßen. Doch insbesondere die Anknüpfung an den Interessen junger Menschen und der freiwillige Zugang bieten hervorragende Voraussetzungen, um junge Menschen zu erreichen sowie in ihrer persönlichen und politischen Entwicklung zu fördern.

 

Nötig sind innovative Ideen der Vermittlung partizipatorischer Ansätze, Strategien zur Implementierung wirksamer Kinder- und Jugendbeteiligung sowie eine starke Interessenvertretung, die ihren Fokus auf die Einbindung der Zielgruppen in gesellschaftliche Prozesse legt. Jugendarbeit muss geprägt sein durch ein fachliches Selbstverständnis, das bereit ist, jungen Menschen professionelle Kompetenzen zur Verfügung stellen, um eben diese zur Gestaltung ihrer selbst und ihrer Umgebung zu befähigen.


Themenblock 2: Haltung

In einer komplizierten Welt erwarten Menschen Orientierung und Halt, aber auch Möglichkeiten sich einzubringen, um mitzugestalten und zu verändern. Insbesondere junge Menschen, denen oftmals sowohl mögliche Modelle für alternative Formen von Lebensgestaltungen als auch Erwachsene mit entsprechenden Vorbildfunktionen fehlen, erfordern in ihrem Entwicklungsprozess von Jugendarbeitern ein hohes Maß an professioneller Haltung, um ihre Selbstwirkungspotenziale sichtbar zu machen und sie zum Abruf solcher zu motivieren.

 

Professionelle Haltung meint in diesem Sinne sowohl eine eigene, erkennbare Haltung zu Gesellschaft und gesellschaftlicher Entwicklung zu haben als auch, diese offen und klar in der Kommunikation mit den jungen Menschen so wie gegenüber anderen Erwachseneninstitutionen zu vertreten. Eine professionelle Haltung von Jugendarbeit kennzeichnet sich durch gegenseitige Wertschätzung und Anerkennung der Gleichwertigkeit des Anderen. Sie basiert auf einer demokratischen Grundausrichtung und einer Bereitschaft, sowohl mit den jungen Menschen gemeinsam zu lernen als auch mit ihnen in kritischer Parteilichkeit für Bedarfe und Bedürfnisse von jungen Menschen einzutreten.

Diese schwierige Herausforderung kann nur gelingen, wenn Jugendarbeit sich selbst als motivierend, engagiert, einmischend und reflektierend begreift sowie selbst von Selbstwirkungspotenzialen überzeugt ist.

 

Themenblock 3: Vielfalt

Für die Jugendarbeit und Jugendsozialarbeit ist Vielfalt täglich erfahrbar. Durch die Wahrnehmung der Unterschiedlichkeit erst kann es gelingen, konzeptionelle Grundlagen der Jugendarbeit angemessen zu entwickeln. Soziale Unterschiede, verschiedenste Bildungshintergründe und körperliche/geistige Verfasstheit sowie eine Vielfalt an Herkunft, Geschlecht, Religion und Kultur prägen die Arbeit. Die Herausforderungen ergeben sich aus dem Spannungsfeld, im Sozialraum Stigmatisierung durch „Spezialangebote“ zu verhindern und gleichzeitig den unterschiedlichen Erwartungen gerecht zu werden.

 

Zudem ist Vielfalt auch immer eine politische Herausforderung: Wahrnehmung ist noch lange keine Akzeptanz. Sozialarbeit kann einen Beitrag dazu leisten, Anerkennung und Akzeptanz zu befördern und so im Sozialraum Vielfalt als Realität von Möglichkeiten zu erleben. Die Veränderungen durch den Zuzug geflüchteter Kinder und Jugendlicher  ist eine Chance für Jugendarbeit und Jugendsozialarbeit, als gestaltende Akteure neue Anerkennung zu erfahren. Erforderlich sind jedoch das Hinterfragen eigener Haltungen sowie der diesbezügliche kollegiale Austausch, die konzeptionelle Weiterentwicklung und die individuelle Kompetenzerweiterung.

 

 Themenblock 4: Rahmenbedingungen

 

Jugendarbeit ist neben Familie, Schule und Kita eine wichtige Sozialisationsinstanz junger Menschen in unserer Gesellschaft.

In vielen Bereichen wird der Sozialen Arbeit eine gesellschaftliche Funktion zugewiesen: in Kitas, in der  Migrationssozialarbeit, im Gesundheitswesen, im Pflegebereich. Soziale Arbeit erfährt einen beachtlichen Bedeutungszuwachs. Auch für die Jugendarbeit gilt: Sozialarbeit an Schule, außerschulische Jugendbildungsarbeit, grenzüberschreitende Jugendmobilität, mobile Jugendarbeit, Drogen-/Suchtprävention haben einen Bedeutungszuwachs erfahren. Dafür gilt es die notwendigen Rahmenbedingungen zu schaffen, zu erhalten und auszubauen.

 

Fachkräfte in der Jugendarbeit müssen auch vor dem Hintergrund eines zunehmenden Fachkräftemangels und handlungsfeldspezifischer Herausforderungen sozialpädagogisch qualifiziert, tarifgerecht entlohnt und handlungsfeldspezifisch fortgebildet sein.

 

Jugendarbeit ist Teil der kommunalen Daseinsvorsorge und eine Pflichtaufgabe. Junge Menschen benötigen Freiräume, in denen sie sich ausprobieren können. Die Jugendarbeit lebt von den zeitlichen Ressourcen, die Jugendliche zur Verfügung haben und die sie einbringen können.

Jugendarbeit kann nicht die erste Adresse sein, wenn es um die Rettung der öffentlichen Finanzen geht. Jugendarbeit ist keine freiwillige Aufgabe!

 

Jugendarbeit braucht Vertretungsstrukturen für Kinder und Jugendliche und für sich selbst! Es braucht eine (Rück)Besinnung auf die Politisierung des Arbeitsfeldes im Interesse der Kinder und Jugendlichen. Deshalb muss Jugendarbeit selbstbewusst und zielgerichtet auftreten und Forderungen stellen, wie z. B. die nach der Entwicklung einer eigenständigen Jugendpolitik,  der Schaffung von  Freizeitangeboten mit ihrem non-formalen Bildungscharakter, der Weiterentwicklung und Qualifizierung der Jugendarbeit.